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Interview LEC E-Sports

G2 BrokenBlade: »Die Anzahl der Turniere ist nicht sustainable«

G2 BrokenBlade krönte sich mit dem entscheidenden Play in Spiel 2 zum MVP – und sprach danach über uns über mehr als nur League.

G2 BrokenBlade: »Die Anzahl der Turniere ist nicht sustainable«

G2 BrokenBlade krönte sich mit dem entscheidenden Play in Spiel 2 zum MVP. (© Michał Konkol/Riot Games)

Erfolgreiche Rückkehr für G2 Esports: Nach einem nicht ganz perfekten Roadtrip in Paris (2 Siege, 1 Niederlage) ging es für den amtierenden LEC-Titelverteidiger gegen SK Gaming.

Hier sicherte sich G2 Esports einen 2:0-Erfolg, der aber nicht ganz so sauber war, wie es das Ergebnis vermuten lässt – beide Spiele brauchten mehr als 40 Minuten, bis der Nexus fiel.

Der Schlüsselmoment in Spiel 2 war ein Kampf rund um den Baron, bei dem G2 BrokenBlade mit Vayne den gegnerischen Support isolieren, töten und von dort aus wieder zu seinem Team stoßen konnte. Nach dem Match führte uns der Top-Laner durch diesen Kampf – und gab seine Meinung zur Bot-Lane-Meta, dem vollen Terminkalender und den Worlds-Aussichten ab.

»Okay, wenn die da allein steht ...«

RunItDown: Erstmal Glückwunsch zum Sieg und zum Spieler des Spiels – den hast du direkt bekommen. Gib mir mal den Schnelldurchlauf vom letzten Fight: Da hast du ja Mikyx auf Rell vom Start weg aus dem Play rausgenommen. Wie waren die Comms, während und nachdem du sie erledigt hast?

G2 BrokenBlade: Ich hatte Syndra im Busch gesehen und dem Team gesagt, dass Syndra splittet – die hat dann den langen Weg genommen. Rell stand daraufhin allein, und da dachte ich mir: Wenn Rell da allein steht, dann all-in ich sie. Vayne mit Stormrazor ist sehr schnell, das hat man gesehen, deshalb konnte ich so chasen.

Klar habe ich meine Ultimate benutzt, aber dafür war Rell komplett aus dem Fight raus. Da musste ich meinem Team vertrauen, dass die etwas langsamer spielen – das haben sie ganz gut geschafft. Nachdem ich Rell gekillt hatte, habe ich gesagt, ich komme zum Teamfight, wartet fünf oder zehn Sekunden. Danach habe ich aufgeräumt.

»Ich denke, wir hätten heute ein bisschen besser draften können«

RunItDown: G2 gegen SK Gaming ist aktuell ja immer so ein bisschen Klassentreffen – du selbst hattest Wunder gewissermaßen beerbt. Beeinflusst das deine Vorbereitung im Speziellen, wenn ihr die Leute noch besser kennt, als man sich in der LEC ohnehin schon kennt?

G2 Brokenblade: Es hilft immer, wenn du gegen Leute spielst, gegen die du schon länger spielst für die Vorbereitung. Zum Beispiel, was für Champions die mögen. Bei uns war jetzt das einzige, was ein bisschen unsicher war, der neue Midlaner SlowQ. Von dem wissen wir nicht so viel. Klar können wir ein bisschen recherchieren, was er in den ERLs gespielt hat, aber in der LEC ist es immer ein bisschen anders.

Ich glaube, die Vorbereitung war ganz gut, aber ich denke, wir hätten heute ein bisschen besser draften können. Unser Gameplay war leider nicht so, wie ich es mir gewünscht hätte – sehr chaotisch, aber ich bin natürlich trotzdem sehr glücklich über den Sieg.

»Es hat sich sehr vieles verändert, wie wir arbeiten«

RunItDown: Du hast den Draft schon angesprochen – und wenn wir von Klassentreffen reden, müssen wir auch über Perkz sprechen. Für dich ist es bei G2 das erste Mal, dass du einen Ex-Profi als Head Coach hast – Memento ist als Assistant Coach zwar schon seit Jahren dabei, aber das ist ja etwas anders. Ändert Perkz' Ankunft etwas daran, wie du an Scrims herangehst, wie du über Drafts nachdenkst, wie eure Gameplans aussehen?

G2 Perkz und Memento beim Spiel gegen SK Gaming in Woche 2 der League of Legends EMEA Championship.
Für Perkz ist es die erste Station als Head Coach – Memento ist schon in seinem zweiten Jahr als Assistant Coach bei G2 Esports.

G2 Brokenblade: Es hat sich sehr vieles verändert, wie wir arbeiten und wie wir mit Perkz trainieren. Er versucht wirklich viel aus den Spielern rauszuholen – wie man das Spiel angeht, wie man Training generell angeht. Das ist eine ganz andere Struktur als vorher, und das braucht natürlich etwas Zeit.

Ich denke, da müssen wir als Spieler und als Staff sehr gut zusammenarbeiten, weil wir die Änderung mitten in der Season gemacht haben – das kann ein Team in der Vorbereitung erst einmal langsamer machen.

Aber aktuell läuft es ganz gut, ich bin sehr glücklich, dass wir drei von vier Spielen gewonnen haben. Das gibt uns Freiraum, zu exploren, wie wir Scrims angehen. Es gibt noch viele Sachen, die wir besser machen können – das wissen wir als Spieler, das weiß auch Perkz als Head Coach. Wir geben ihm auch viel Feedback, wie er Dinge besser machen kann.

»Das größte Problem ist, dass die Support-Rolle überall auf der Map ist«

RunItDown: Du bist ja fast schon berüchtigt für ein paar nicht ganz so oft gespielte Champions auf der Top-Lane. Aktuell holt gefühlt jeder die Fackeln und Mistgabeln raus für das, was auf der Bot-Lane los ist – gespielt wird praktisch alles, was vier Abilities und eine Passive hat; gestern etwa Aatrox bei Diable [Bot-Laner bei Nongshim Redforce].

Hast du vom anderen Ende der Map eine Meinung dazu, und welchen Tipp würdest du SoloQ-Botlanern geben, die sich damit auseinandersetzen müssen?

G2 Brokenblade: Für AD-Carries ist das normalerweise nichts, womit sie sich befassen müssen – das ist von null auf hundert etwas ganz anderes. Manche sind davon genervt, weil sie sich fragen, warum sie jetzt gegen einen Aatrox auf der Bot-Lane spielen müssen.

Für Mid- und Top-Laner ist das eigentlich immer der Fall, wir spielen ja auch mal gegen AD-Carries – ich habe heute auch Vayne Top gespielt. Aber diese Picks gab es eigentlich schon immer.

Ich finde es eigentlich nichts Schlechtes, dass jetzt verschiedene Champions auf der Bot-Lane gespielt werden. Das größte Problem ist meiner Meinung nach, dass die Support-Rolle gerade überall auf der Map ist. Ich denke, wenn man das fixt – und das wird im nächsten Patch ja auch angegangen, damit Supporter nicht mehr so viel roamen ... ich habe in diesem Match mit Labrov im Early Game tatsächlich zwei gegen zwei gespielt.

Das sind Sachen, die Riot auch nicht mag, und ich glaube auch, dass es dem Spiel nicht guttut, wenn ein Support nicht lanen muss. Das macht auch keinen Spaß, dagegen zu spielen – ob in SoloQ, auf der Stage oder in Scrims. Es macht wirklich keinen Spaß, wenn der gegnerische Support einen auf Level eins ganked.

»Wir sind schon lange vom Limit weg«

RunItDown: Euer Kalender dieses Jahr dürfte so ziemlich der vollste sein, den du je hattest – mit EWC, First Stand, Roadshows und allem drumherum. Wie empfindest du die Menge an Turnieren, die da auf euch einprasselt? Sind wir langsam am Limit des Machbaren?

G2 BrokenBlade: Ich denke, wir sind schon lange vom Limit weg. Das ist sehr viel für einen Spieler, so viele Turniere zu haben, und ich glaube, das ist auf Dauer nicht sustainable [nachhaltig].

Wenn ich mir vorstelle, das fünf Jahre lang so weiterzuspielen, wäre das schon sehr, sehr stressig.

Ich denke, wir sind mittlerweile erfahren genug, um zu wissen, wie wir uns als Spieler ausruhen können. Ich zum Beispiel gehe SoloQ etwas leichter an und spiele weniger Spiele, dafür ruhe ich mich an ein paar mehr Tagen in der Woche aus. Normalerweise, wenn ich weiß, dass es wichtig wird, habe ich ein richtig gutes Schedule und spiele sehr viel. Aber weil ich zuletzt nicht so viel Pause hatte, spiele ich gerade ein paar Spiele weniger pro Woche; dafür ruhe ich mich ein paar mehr Tage in der Woche aus.

Also ich denke, dass die Roadshows cool sind. Ich mag es auch gerne, mit den ganzen Fans zu travelen. Und da sind so viele Fans und diese Atmosphäre in den Stadien, das ist einfach nur gut. Und das soll auch da bleiben und auch gerne mehr davon.

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Aber generell sind es viele Turniere, es wird halt gefühlt immer mehr. Was natürlich ein bisschen hart ist für die Spieler, es ist einfach so. Burnout ist echt, auch wenn man Videospiele spielt. Das ist echt, Spieler müssen darauf natürlich achten. Und für uns ist das wichtig und wir haben auch sehr viel Hilfe mit unserem Performance Coach. Der hilft uns auch natürlich mit dem Recovery-Prozess.

»Ich glaube, dieses Jahr haben wir eine gute Chance«

RunItDown: Zum Schluss noch kurz: Warum ist 2026 trotz all dem Stress das Jahr, in dem ihr die Worlds holt?

G2 BrokenBlade: Weil wir dieses Jahr schon einmal in einem internationalen Finale standen. Wir wissen, dass wir es schaffen können, das ist drin – da bin ich mir sicher. Es hängt davon ab, wie die Saison weiter ausschaut, aber auch KC war schon in einem Finale. Ich glaube, dieses Jahr ist es sehr machbar.

Die letzten Jahre sah es für Europa nicht so rosig aus, aber ich glaube, dieses Jahr sieht es um einiges besser aus. Natürlich müssen wir abwarten, bis wir bei den Worlds sind, aber ich glaube, wir haben dieses Jahr eine gute Chance.