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GiantX-Coach Guilhoto nach dem Sieg: »Das ist die Definition eines Wagnisses«

GiantX-Head-Coach Guilhoto erklärt den holprigen Umbruch mit Oscarinin und Flakked, Oscarinins entscheidenden Warwick-Pick und seine Haltung zu Riots Bot-Lane-Änderungen.

GiantX-Coach Guilhoto nach dem Sieg: »Das ist die Definition eines Wagnisses«

GX Guilhoto kann nach zwei zerfahrenen Spielen wieder lachen. An seiner Seite: der neue Bot-Laner Flakked.

Kein einfacher Split für GiantX: Mit Flakked und Oscarinin hatte das Team erst Ende Juni zwei neue Spieler ins Line-up geholt. Die Quittung gab es in Form durchwachsener Auftritte, auch am heutigen Spieltag lief zunächst nicht viel zusammen.

Am Ende holte GiantX die Serie mit 2:1 – maßgeblich dank Top-Laner Oscarinin, der auf Warwick in Spiel drei einen etwas anderen Pick ins Feld führte und dafür zum MVP der Serie gewählt wurde.

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RunItDown · Jusuf Hatic

Nach dem Match sprach Head Coach Guilhoto über den holprigen Umbruch, den Warwick-Pick, seine Haltung zu Riots Eingriffen in die Bot-Lane-Meta – und ganz am Ende über deutlich mehr als nur Ergebnisse.

»Das ist die Definition eines Wagnisses«

RunItDown: Eure Spiele letzte Woche liefen nicht besonders sauber, und auch die ersten beiden Spiele heute waren nicht wirklich das Gelbe vom Ei. Wie würdest du diesen Zustand erklären?

GX Guilhoto: Wir haben insgesamt zwei Spieler ausgetauscht [Anm.: Flakked und Oscarinin für Noah und Lot].

Wir wollten bewusst etwas durchrütteln, und wir hatten das Gefühl, dass das bisherige Roster uns nicht zur Worlds bringen würde. Das war natürlich ein Risiko, und wir haben mit einem langsamen Start gerechnet – ich glaube nur nicht, dass wir damit gerechnet haben, dass er so langsam wird.

Die Erklärung liegt darin: Es war eine komplett neue Meta, und wir mussten uns mit allen fünf Spielern erst einspielen, was Zeit braucht. Ich glaube, wir werden immer besser darin, nur in einem langsameren Tempo, als mir lieb wäre. Das ist eben die Definition eines Wagnisses, schätze ich – wir ziehen unsere Schlüsse aus dieser Veränderung und schauen, wie es läuft.

»Man muss ein wirklich guter Warwick-Spieler sein«

RunItDown: Spiel drei war deutlich sauberer, und ich würde behaupten, Oscarinins Warwick-Pick war dafür mitentscheidend – er wurde danach auch MVP der Serie. Ich habe während des Drafts seinen SoloQ-Account gecheckt: Der Pick wirkte erst überraschend, kommt aber offensichtlich nicht aus dem Nichts. Wie kam der zustande?

Oscarinins SoloQ-Account: Ingesamt steht er im Warwick-Ambessa in 21 Spielen bei 67 Prozent Winrate. (© Screenshot DPM.lol)

Guilhoto: Er hat ihn schon vorher gespielt, auch in offiziellen Spielen – ich finde also, es sollte nicht so überraschend sein.

Und in Scrims gegen uns, als wir gegen Fnatic gescrimmt haben, während er dort war, hat er ihn meistens gegen Ambessa gespielt – und bei uns macht er das auch. Man muss ein wirklich guter Warwick-Spieler sein, damit das funktioniert, und Oscar ist darauf richtig gut.

Ich würde aber sagen, es war nicht nur der Warwick – er war die ganze Serie über entscheidend, individuell spielt er wirklich gut, auch letzte Woche schon.

Auch wenn ich die Veränderungen angesprochen habe, ich möchte nicht, dass man mich da missversteht: Das ist nicht ihre Schuld, sondern vor allem unsere als Staff, und besonders meine, uns mehr an sie anzupassen und mehr Mittelweg zu finden.

»Sie passen besser zueinander«

RunItDown: Was ist der größte Unterschied in eurem Ansatz jetzt, wo Oscar und Flakked dazugestoßen sind?

Guilhoto: Der Spielansatz ändert sich durch die zwei Spieler an sich nicht wirklich, eher durch die Meta, mit deutlich mehr möglichen Magiern – und Flakked ist ein Spieler, der dazu passt.

Wir haben noch nicht das Optimum gefunden, wie wir da herangehen wollen – wir müssen uns den nächsten Patch ansehen, ob das noch funktioniert, davon abhängig, in welche Richtung Riot geht.

Ich glaube nicht, dass Flakked besser ist als Noah oder Oscar besser als Lot. Aber für das, was wir brauchten und wie wir funktionieren, passen sie besser dazu, wie die anderen drei spielen wollen – sie passen besser zueinander. Ich glaube, beide sind vielseitiger als ihre Vorgänger, und das ist im Grunde die Hauptveränderung: Wir schauen jetzt mehr auf Flakked-typische Picks und andere Kompositionen, die wir jetzt spielen können.

»Was Riot gerade macht, ergibt für mich keinen Sinn«

RunItDown: Du hast es schon angesprochen: Riot hat angekündigt, die Bot-Lane-Meta zumindest im nächsten Patch zu verändern. Hältst du das für die richtige Entscheidung, oder würdest du dir eher noch mehr Vielfalt wünschen?

Guilhoto: Ich finde, sie sollten mehr Vielfalt reinbringen, das gefällt mir. Ich glaube, sie versuchen, zu viele Dinge mit Gewalt ins Spiel zu drücken.

Normalerweise bestimmen Items und Champion-Zahlen einen Großteil dessen, was gespielt wird – wenn sie zum Beispiel Enchanter overtunen und nach drei Monaten entscheiden, das wieder zurückzudrehen, ist das für mich in Ordnung, das ist einfach Rotation.

Aber ich mag es nicht, wenn Änderungen mit Gewalt Stats erzwingen oder wegnehmen – wie beim Lane-Swap zum Beispiel, oder was sie jetzt machen, Supporter und andere Rollen zu zwingen, in ihrer Lane zu bleiben.

Das war etwas, das ich immer gerne gemacht habe: manchmal einen Mid-Laner Top spielen lassen, oder meinen Top-Laner Mid. Jetzt ist das praktisch unmöglich, weil Riot Dinge erzwingt, und das ist der Teil, der mir nicht gefällt.

Das ist fast so, als würdest du Fußball spielen, und dann sagt im WM-Finale jemand: Okay Leute, Einwürfe von der Seite sind nicht mehr erlaubt; nur der Linksaußen darf seinen linken Fuß benutzen. Das versucht Riot gerade zu machen, und für mich ergibt das einfach keinen Sinn.

RunItDown: Du würdest also, wenn du könntest, Rollen-Quests komplett abschaffen – kein Ersatz, nichts, einfach weg damit?

Guilhoto: Ja. Oder zumindest vielseitiger machen – ich habe kein Problem mit Rollen-Quests, aber lasst sie austauschbar sein, statt die Rolle mit Gewalt ins Spiel zu zwingen. Zumindest im in der Pro-Szene, in SoloQ würden Leute trollen und anderen die Rolle wegnehmen, aber im Wettkampf würde das nicht passieren.

»Niemand sollte jemals komplett zufrieden sein«

RunItDown: Bei LEC Versus hast du die inzwischen berüchtigte Aussage gemacht, dass außer KC kein Team wirklich Grund hatte, mit der eigenen Leistung zufrieden zu sein. KC ist bislang wieder das einzige ungeschlagene Team der LEC – würdest du diese Aussage heute wiederholen?

Guilhoto: Ich glaube, viele Teams sind gerade in einer seltsamen Verfassung. G2 hat den Trainerstab gewechselt, und Perkz ist gerade erst dazugekommen – aber die spielen trotzdem noch ziemlich gut, natürlich haben sie einen langsamen Start. MKOI hat anscheinend auch irgendwelche internen Situationen, die sie vielleicht etwas schlechter spielen lassen. Vitality hatte auch einen Wechsel. Ich schätze, KC ist mehr als zufrieden damit, wie sie spielen – ich glaube, sie sind aktuell das stabilste und verlässlichste Team.

Aber ehrlich gesagt, als ich diese Aussage gemacht habe, war ich auch ein bisschen genervt. Um fair zu sein, glaube ich aber, dass niemand jemals komplett zufrieden damit sein sollte, wie er spielt – und ich bin mir sicher, wenn du KC fragen würdest, würden die dir etwas Ähnliches sagen.

»Diese letzten zwei Jahre haben mein Leben wirklich stark verändert«

RunItDown: Soweit ich weiß, läuft dein Vertrag bei GiantX dieses Jahr aus. Nehmen wir an, das wird wirklich dein letzter Split – rein die Ergebnisse außen vor gelassen: Was siehst du als deinen größten Erfolg der letzten zwei Jahre?

Guilhoto: Ich glaube, sicherzustellen, dass Giants – eine Organisation, zu der ich eine große Verbundenheit habe – konstant an der Tür zu einem Top-drei-Ergebnis anklopft. In diesen zwei Jahren hatten wir drei fünfte Plätze im ersten Jahr, dann zwei vierte Plätze in diesem Split. Das ist beides – ein guter Erfolg, aber auch ein bisschen ein bitterer Beigeschmack.

RunItDown: Es hätte mehr sein können, oder?

Guilhoto: Ja. Ich glaube aber, ehrlich gesagt, mein größter Erfolg der letzten Jahre hat nichts mit League of Legends zu tun.

Wenn ich ganz ehrlich bin, glaube ich, dass diese letzten zwei Jahre mein Leben wirklich stark verändert haben – notgedrungen. Und mein größter Erfolg war, zu lernen, damit umzugehen.

Das Interview wurde für Länge und Klarheit redigiert.