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KC Yike im Interview: perfekte Bilanz, Playoffs und der Blick nach Madrid

KC-Yike im Interview: die makellose Bilanz, was trotzdem noch fehlt, und der Blick auf die Playoffs in Madrid – aus der Sicht des Karmine-Corp-Junglers.

KC Yike im Interview: perfekte Bilanz, Playoffs und der Blick nach Madrid

KC Yike mit einer furiosen Performance gegen GiantX. (© Michał Konkol/Riot Games)

Karmine Corp ist seit Wochen die klare Nummer eins der LEC-Sommersaison 2026 – am vierten Spieltag traf das Team auf GiantX. Jungler Yike sprach danach über seine Qiyana-Performance, die bis dato makellose Saisonbilanz, ein ungewöhnliches Coach-Zitat aus einem GiantX-Interview – und den Ausblick auf die Playoffs in Madrid.

»Eine meiner besten Qiyana-Performances«

RunItDown: Glückwunsch zum Sieg. Erste Frage: Was gab's zum Frühstück? Was war da mit der Qiyana los? Die war ja spektakulär.

KC Yike: Ich glaube, das war eine meiner besten Qiyana-Performances überhaupt. Ich hatte gefühlt jedes einzelne Camp auf der Karte. Ich bin quasi im Kreis über die Map gelaufen und habe mir sein Camp, dann mein Camp, dann wieder sein Camp geholt. Das war einfach ein wirklich gutes Qiyana-Spiel für mich, damit bin ich zufrieden.

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RunItDown · Jusuf Hatic

RunItDown: Es fühlte sich an, als hätte ich für eine Minute weggeschaut, und plötzlich warst du drei Level voraus – wie viel CS das war, will ich lieber gar nicht wissen.

Das passt auch zu eurem bisherigen Split: Ihr habt praktisch nichts liegen lassen, nur ein Spiel gegen G2 verloren, die Playoffs stehen schon lange fest. Schon letzten Frühling wart ihr in einer ähnlichen Form – eure ersten Niederlagen kamen damals gegen G2 und GX, beide habt ihr diesen Sommer schon geschlagen. Wird das jetzt also die perfekte Saison, zumindest die perfekte Regular Season?

KC Yike: Auf dem Papier sieht das vielversprechend aus. Uns bleiben noch Shifters und SK, beide auf dem Papier eher schwächer einzuschätzen – aber wir gehen mit viel Respekt in die Vorbereitung.

Ein 9:0 in der Regular Season gab es seit Einführung dieses Split-Formats noch nicht, das wäre schon eine schöne Sache für uns. Danach trainieren wir einfach weiter und sorgen dafür, dass wir für die Playoffs bestmöglich vorbereitet sind – am Ende zählt sowieso vor allem die K.-o.-Phase, darauf müssen wir uns fokussieren.

»Wir werden nie satt, nur weil wir gewinnen«

RunItDown: Du hast gerade schon das Weitertrainieren angesprochen – ich möchte etwas aufgreifen, das mir GiantX' Coach Guilhoto vor zwei Wochen erzählt hat: »Ich glaube nicht, dass irgendjemand jemals komplett zufrieden mit der eigenen Leistung sein sollte.«

Wo siehst du aktuell das größte Verbesserungspotenzial?

KC Yike: Es ist sehr einfach, wenn man viel gewinnt, dass man einfach nicht so viel über die schlechten Dinge nachdenkt. Man reviewt weniger, man schaut sich die eigenen Fehler weniger genau an, weil man ja meistens gewinnt.

Aber ich finde es sehr wichtig, dass wir das trotzdem machen. Wir geben uns nicht schon damit zufrieden, einfach zu gewinnen. Auch heute zum Beispiel – beide Spiele sahen vielleicht einfach aus, aber ich bin mir sicher, dass wir eine Menge Fehler gemacht haben, aus denen wir lernen können.

Genau das machen wir als Team, glaube ich, sehr gut: Auch wenn wir viel gewinnen, behandeln wir jedes Spiel wie ein ganz normales und reviewen es genauso – daraus können wir immer noch etwas lernen. Diese Art zu arbeiten gefällt mir.

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RunItDown · Jusuf Hatic

RunItDown: Gibt es für das heutige Spiel konkret einen Punkt, wo du sagst: Das hätten wir schneller abschließen können, oder diesen Teamfight hätten wir besser spielen können? Wie geht ihr generell mit solchen Snowball-Spielen um?

KC Yike: Auf jeden Fall. Gerade im ersten Spiel gab es viele kleine Fehler von uns, obwohl wir im Gold so weit vorne waren.

Wir wussten nicht genau, wie wir das Spiel abschließen wollten – ob wir auf den Baron gehen, tief im Jungle campen oder über die Seiten-Lanes spielen. Das haben wir nicht schnell genug herausgefunden, wodurch sich das Spiel bis in reine Teamfights gezogen hat, in denen der Gegner immer eine Chance auf ein Comeback hat. Am Ende haben wir die Fights trotzdem gewonnen, aber es sah unsauber aus – und damit bin ich persönlich nicht zufrieden.

RunItDown: Ist das dann eher eine Frage von schnelleren oder von besseren Entscheidungen?

KC Yike: Eher bessere Entscheidungen. Ich glaube, wir sind inzwischen recht schnell darin, zu wissen, was wir grundsätzlich wollen, und ziemlich proaktiv – aber wir müssen noch besser verstehen, was tatsächlich der beste Spielzug ist. Das ist etwas, das wir uns nochmal genauer ansehen müssen.

»Das größte Risiko sind wir selbst«

RunItDown: Wenn wir etwas rauszoomen und auf das vergangene Jahr blicken: Ihr habt jetzt drei Vizemeisterschaften in Folge, darunter leider auch beim Esports World Cup. Du hast schon gesagt, dass das Team für diesen Split sehr hungrig ist. Etwas provokant gefragt: Was hält euch eigentlich davon ab, diesen Split komplett zu gewinnen?

KC Yike: Gute Frage. Ich glaube, das größte Risiko, das uns stoppen könnte, sind wir selbst – wenn wir zu viel Ego bekommen oder nicht mehr so viel aus dem Training mitnehmen wie möglich, aus den Scrims oder dem Rewatchen der Spiele. Ich glaube, das ist der größte Fehler, den ein Team machen kann: das Feuer zu verlieren, das man hat.

Wir sind aktuell wirklich gut, aber es reicht eine einzige schlechte Best-of-Five in den Playoffs, um Selbstvertrauen zu verlieren – und von da an wird alles schwerer. Also geht es vor allem darum, uns nicht selbst zu schlagen, das ist die Hauptsache.

RunItDown: Wenn man sich den Split insgesamt anschaut – ich hab mir die Post-Match-Threads auf Reddit etwas angeschaut: Die Leute fordern lautstark, dass entweder Caliste oder Kyeahoo MVP des gesamten Splits werden sollte. Wer von beiden ist es für dich – oder warum nicht gleich du?

KC Yike: Über die beiden habe ich auch schon nachgedacht. Für mich persönlich lief es gegen NAVI nicht gut, deshalb ist MVP für mich schwierig.

Zwischen Caliste und Kyeahoo haben beide wirklich, wirklich gut gespielt, beide sehr solide. Wem man es geben sollte, ist schwer – beide haben es verdient. Beide spielen sehr stabil und machen sehr wenige Fehler. Ich würde es Kyeahoo geben, weil es außerdem sein erstes Jahr in der LEC ist und er bisher richtig gut spielt. Auch die Art, wie er kommuniziert, was er will und braucht, beeindruckt mich. Deshalb würde ich es Kyeahoo geben.

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RunItDown: Gibt es einen konkreten Unterschied in ihrer jeweiligen Stärke? Beide können explosiv spielen, beide können auch zurückhaltend farmen und scalen. Aber wenn du eine unterschiedliche Stärke pro Spieler benennen müsstest, welche wäre das?

KC Yike: Bei Kyeahoo ist es wahrscheinlich das Laning-Wissen – er weiß sehr genau, wann ich ihm helfen kann oder wann Busio ihm helfen kann, welche Timings dafür passen, und er kommuniziert das sehr offensiv.

Bei Caliste sind es die Teamfights – ich glaube, er ist da mindestens der beste Spieler Europas. Wie er klickt, wie er Teamfights spielt, wie er alle Gegner ausspaced – das beeindruckt mich an Caliste sehr.

»Sobald ich das Headset aufsetze, ist mir egal, wo ich bin«

RunItDown: Kommen wir zum letzten Abschnitt, ein kleiner Ausblick: Ihr seid ja bereits für die Playoffs qualifiziert. Die erste Runde findet in Madrid statt, auf MKOIs Heimboden.

Spielt so ein Heimvorteil – oder in eurem Fall eher Nachteil, wie im Fußball – für dich eine Rolle, zum Beispiel mit Blick auf die Kameto/Ibai-Situation vom letzten Split? Oder setzt du einfach das Headset auf und blendest alles aus, egal wo du spielst?

KC Yike: Für mich persönlich ist es so: Sobald ich das Headset aufsetze, ist mir egal, wo ich bin oder gegen wen ich spiele – ich bin einfach nur noch bei meinem Spiel, meinem Team, und dabei bleibe ich.

Aber natürlich, wenn man nach Spanien fährt, weiß man vorher, dass man ausgebuht wird von den spanischen Fans, und das ist auch völlig okay so – genauso ist es, wenn sie nach Frankreich kommen.

Das finde ich eigentlich einfach unterhaltsam, ich mag das. Auch wenn sie buhen, weiß ich, das sind einfach Fans, das ist die Rivalität, ich finde das sehr unterhaltsam.

Das Einzige ist: Es wäre noch schöner, wenn es gegen MKOI selbst wäre, weil die Rivalität dann richtig spicy wäre. Aber wenn MKOI gar nicht dabei ist, wird es anders – dann wird es schon etwas seltsam, in Madrid zu spielen ohne das Team, das eigentlich Gastgeber ist.

Aber wir werden sehen, vielleicht schaffen sie es ja noch in die Playoffs. Um die Frage aber direkt zu beantworten: Ich denke nicht wirklich an das, was außerhalb des Spiels passiert, sobald ich im Ladebildschirm oder in der Champion-Auswahl bin.

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RunItDown · Jusuf Hatic

RunItDown: Und umgekehrt, mit den Summer Finals in Frankreich, in Nizza – beeinflusst dich so ein »Heimvorteil« dann auch überhaupt nicht?

KC Yike: Das kann mir eigentlich nur etwas Positives geben, ein Boost. Ich fühle mich richtig gepusht, wenn ich auf die Bühne laufe und Leute meinen Namen rufen hören – oder für das ganze Team.

So wie beim letzten Roadtrip in der Adidas Arena in Paris, beim Walkout. Das gibt mir und wahrscheinlich dem ganzen Team einen richtigen Boost. Und auch im Spiel selbst, wenn man gute Plays macht und die Leute laut schreien hört, ist das ein großer Push – und das passiert eben nur, wenn man die guten Plays auch macht, deshalb macht das Spaß.

»Ich würde Assassinen nehmen«

RunItDown: Okay, dann noch meine letzte Frage: Wenn du für den Rest deiner Karriere nur eine Jungler-Klasse spielen dürftest, welche wäre das?

KC Yike: Assassinen. Es wäre zwischen AP-Junglern und Assassinen, aber gerade fühle ich mich sehr wohl mit Qiyana, mit Kha'Zix – da gibt es einige, sogar Talon, als der als Jungler spielbar war. Es gibt einfach viele Assassinen, die ich gerne spiele. Deshalb würde ich mich für Assassinen entscheiden.

RunItDown: Gilt das sowohl für Pro Play als auch für SoloQ, oder würdest du da unterscheiden?

KC Yike: Wahrscheinlich eher für SoloQ. Im Pro Play ist es schwierig – manchmal kannst du Assassinen spielen und damit Spiele carrien, wie mein Qiyana-Spiel heute, aber manchmal kannst du die Champions einfach nicht picken.

Für Pro Play wären es also eher die AP-Jungler, aber dann muss dein Mid-Laner auch AD-Champions gut spielen können, und das kann in so einer Meta schwieriger sein als gedacht.

RunItDown: Ihr habt ja Kyeahoo, das wird schon klappen.

KC Yike: Ja, der findet das schon raus.

Das Interview wurde für Länge und Klarheit redigiert.